European Digital Companies (EDCs)

  • Unternehmerischer Sitzstaat statt Wohnsitzstaat. Ein europäisches Organisationsmodell für Dienstleistungsunternehmen.

    Selgus loob usalduse.

    Wir nutzen eine estnische Kapitalgesellschaft (OÜ) als unternehmerische Einheit. Die estnische OÜ unterliegt einem Besteuerungssystem, das sich strukturell von der deutschen Logik unterscheidet. Unternehmensgewinne werden nicht besteuert, solange sie im Unternehmen verbleiben. Die Besteuerung greift erst im Zeitpunkt der Ausschüttung. Daraus ergeben sich zwei systemische Eckwerte: eine steuerlich neutrale Thesaurierung und eine im Ausschüttungsfall 25%ige Gesamtbelastung.

    Dabei handelt es sich weder um eine künstliche Gestaltung noch um eine Sonderregelung, sondern um die einfach-gesetzliche Ausprägung des estnischen Körperschaftsteuerrechts. Estland ist keine Steuer-Oase, sondern Teil des europäischen Rechtsraums und der bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen. Ein Wohnsitzwechsel des Unternehmers ist für die gewählte Struktur nicht erforderlich. Die persönliche Steuerpflicht bleibt dort, wo der Unternehmer lebt. Die Gesellschaft unterliegt dem Recht und der Besteuerung des Staates, in dem sie errichtet ist und ihre Leitung ausübt. Diese Trennung zwischen persönlicher Ebene und Gesellschaftsebene entspricht dem Grundverständnis des europäischen Gesellschafts- und Steuerrechts.

    Die e-Residency ist in diesem Zusammenhang kein Aufenthaltsrecht und kein Wohnsitzmodell. Sie stellt eine digitale Unternehmensidentität bereit, mit der eine estnische Gesellschaft gegründet, verwaltet und organisatorisch geführt werden kann. Die e-Residency ersetzt keine steuerliche Anknüpfung, sondern ermöglicht die form- und fristgerechte Wahrnehmung gesellschaftsrechtlicher Organhandlungen unabhängig vom persönlichen Aufenthaltsort.

    Struktur und tatsächliche Organisation

    Die Struktur beruht auf einer funktional geeigneten organisatorischen Anbindung der Gesellschaft im Sitzstaat. Die unternehmerische Leitung erfolgt nicht situationsbezogen oder ad hoc, sondern in einem geordneten Entscheidungsprozess. Wesentliche Leitungsentscheidungen werden vorbereitet, beschlossen und als Organhandlungen der Gesellschaft dokumentiert. Maßgeblich ist dabei nicht der Ort der Kommunikation, sondern die Zurechnung der Entscheidung zur Gesellschaft.

    Operative Tätigkeiten werden arbeitsteilig über eine in Deutschland ansässige, rechtlich eigenständige Dienstleistungseinheit erbracht. Diese erbringt ihre Leistungen fremdüblich vergütet, etwa auf Cost-plus-Basis. Sie trägt weder Markt- noch Vertragsrisiken und verfügt über keine Abschluss- oder Vertretungsvollmacht für die estnische Gesellschaft. Vertragspartner der Kunden ist ausschließlich die estnische Gesellschaft. Erlöse werden der Gesellschaft zugerechnet, operative Leistungen werden abgegrenzt vergütet.

    Steuerliche Systematik

    Während in vielen nationalen Systemen bereits die Thesaurierung zu einer laufenden Steuerbelastung führt, bleibt die Thesaurierung in Estland steuerlich neutral. Erst bei Ausschüttung greift eine abschließende Besteuerung auf Gesellschaftsebene in Deutschland von 25%. Dieses System setzt Anreize zur Reinvestition, zur Stabilisierung der Gesellschaft und zum langfristigen Kapitalaufbau.

    Diese Berechnungen dienen der systematischen Einordnung. Sie zeigen den strukturellen Unterschied der Besteuerungslogik, keine individuelle Steuergestaltung. Die estnischen Steuersätze sind gesetzlich festgelegt. Die konkrete steuerliche Wirkung auf persönlicher Ebene in Deutschland hängt – wie stets – von den individuellen Verhältnissen ab.

    Anwendungsbereich

    Das Modell ist ausschließlich für Dienstleister geeignet, insbesondere für beratende, IT-basierte, agentur- oder wissensgetriebene Tätigkeiten. Es ist nicht geeignet für Warenhandel, lagergebundene Geschäftsmodelle oder Fulfillment-Strukturen. Ebenso ist es ungeeignet für Konstellationen, in denen Leistung und Person nicht trennbar sind.

    Unser Ansatz

    Wir stellen keine Steuersparmodelle dar. Wir beschreiben und begleiten eine Organisationsstruktur, die offen gelegt, dokumentiert und konsistent geführt wird. Es gibt keine verdeckten Ebenen und keine Sonderannahmen. Wer dieses Modell nutzt, muss es so umsetzen, wie es beschrieben ist.

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    Ein erstes Gespräch dient der sachlichen Einordnung.